Die "Kreuzberger" gibt es seit 1928. Da trafen sie sich noch in Schlips und Kragen, zur Weihnachtsfeier auch "mit Damen", und das Gruppenbild sieht aus wie ein Klassenfoto.
Naturgemäß hat sich die Zusammensetzung der Gruppe über so lange und bewegte Zeiten ständig gewandelt. Arbeitsweise und fotografischer Anspruch erreichten ein Niveau, das auch Fotografen/- innen anderer Stadtbezirke und unterschiedlicher Richtung anzog. Mancher ist heute als professioneller Fotograf tätig, viele erzielen Erfolge bei internationalen Wettbewerben und beteiligen sich an Ausstellungen.
Eine besonders fruchtbare Zeit waren die Siebziger, als Michael Schmidt, der von 1966 bis 70 bei uns Mitglied war, die Werkstatt für Fotografie an der VHS- Kreuzberg gründete. Sein nüchterner Dokumentarstil provozierte und löste heftige Diskussionen aus. Das hat uns auf Dauer nicht geschadet, es hat die Besinnung auf den eigenen Standpunkt gefördert und neue Sichtweisen eröffnet.
Das Wichtigste scheint uns der kritische Umgang mit Bildern, das Hinterfragen ihrer Bedeutung für den Autor und für den Betrachter, ihr Bezug zu der Zeit in der wir leben. In der Regel stellen wir alle 3 - 4 Jahre unsere Arbeit vor, seit der Wende meist zusammen mit den befreundeten "Köpenickern".
Sinn und Zweck des Clubs ist ein breiter Erfahrungsaustausch, Anregung zu schöpferischer und themenbezogener Arbeit und vor allem eine konstruktive Bildkritik als gegenseitige Orientierungshilfe. Das Spektrum unserer Arbeit sollte aus den in der Galerie gezeigten Bildern hervorgehen. Was nicht heißt, daß nicht mancheiner noch ganz andere fotografische Themen leidenschaftlich verfolgt. Wer kann sich schon mit 2 Bildern umfassend darstellen? Wir hoffen, Interesse an der Fotografie und einem Austausch darüber angeregt zu haben, wie auch immer sich das in der Praxis auswirkt.
Klaus Rabien, Ehrenvorsitzender